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Einführung
Das Testen der Entflammbarkeit ist eines der wichtigsten Testverfahren
in der Textilindustrie, weil davon im Falle eines Feuers die Sicherheit
entscheidend abhängt. Es wurde statistisch bewiesen, daß die
Hauptursache für den Tod durch Feuer direkt mit dem plötzlichen
Entzünden von Polstermöbeln und Textilien in Verbindung steht,
sodaß es nur vernünftig ist, ausreichende Normen für die
Entflammbarkeit zu haben. Das Entflammbarkeitsverhalten kann in der Entwicklungsphase
vom Stoffhersteller verbessert werden, um eine sicherere Inneneinrichtung
zu gewährleisten.
Unglücklicherweise gibt es weltweit mehr als nur eine Norm zur Entflammbarkeit
von Polstermöbeln oder Stoffen an vertikalen Oberflächen, die
als die Norm angesehen werden könnte, und der Wildwuchs verschiedener
international gültiger Normen zeigt die verschiedenen Annäherungsversuche
an das Thema der Entflammbarkeit. Eine einzige Norm hat es geschafft,
in der ganzen EU anerkannt zu werden, EN 1021: 1994, aber sie bezieht
sich nur auf Tests mit Zigaretten und Streichhölzern.
Dieser Führer beschreibt einige der wichtigsten internationalen
Normen und Testmethoden für Polstermöbelstoffe. Leider kann
er kein abschließendes, umfassendes Dokument sein, aber hoffentlich
einen besseren Einblick in die wichtigsten regionalen Unterschiede und
die komplexe Bedeutung bieten, die das Testen der Entflammbarkeit bekommen
hat.
Europäische
Normen
EN
1021 - 1/2 : 1994
Diese Norm gilt in der gesamten EU und untersucht die Reaktion eines Stoffes
auf eine brennende Zigarette und eine Butanflamme (ein simuliertes Streichholz).
Sie ersetzt eine Vielzahl nationaler Tests, einschließlich DIN 54342
- 1/2 in Deutschland und BS 5852: 1990 in Großbritannien.
Testmethoden
Ein Standard-Testmodell aus Stoff und Schaumstoff mit der Rückwand
im rechten Winkel zum Boden simuliert einen Sessel. Die Zündquelle
befindet sich während des Tests in diesem rechten Winkel und daher
in ständigem Kontakt zu Lehne und Sitz. Vor dem Test wird das Modell
mit Wasser getränkt.
EN 1021 - Teil 1
In Teil 1 des Tests wird eine brennende Zigarette in den Winkel des Testmodells
gelegt und verglimmt in ihrer ganzen Länge. Nach 60 Minuten sollte
der Stoff nicht glimmen oder brennen.
EN 1021 - Teil 2
Eine 35 mm hohe Butanflamme repräsentiert hier ein brennendes Streichholz
und wird 15 Sekunden lang ebenfalls in den Winkel zwischen Lehne und Sitz
des Testmodells gelegt. Nachdem die Flamme entfernt wurde, sollte innerhalb
von 2 Minuten der Stoff nicht anfangen zu brennen.
Deutschland
In Deutschland werden Stoffe für Polstermöbel nach DIN 4102
getestet, die vom Deutschen Institut für Bautechnik eingeführt
wurde.
DIN
4102 Part 1 - Kleinbrenner (B2)
In Deutschland müssen alle Materialien zur Innenausstattung von Räumen
die B2 Anforderungen erfüllen, was durch einen kleinen Flammtest
geprüft wird.
Die Stoffprobe wird vertikal aufgehängt und 15 Sekunden
lang an der Oberfläche und der Kante einer 20 mm hohen Flamme ausgesetzt.
Auf der Probe sind Referenzlinien markiert, und die B2 Anforderung wird
erfüllt, wenn die Spitze der Flamme bei jeder Probe die Referenzmarken
innerhalb von 20 Sekunden nicht erreicht. 5 Proben werden getestet, wobei
das sich darunter befindende Filterpapier darüber Aufschluß
gibt, ob Flammrückstände heruntergetropft sind.
DIN 4102 Teile 15/16 - Brandschacht (B1)
Dieser "Brandschacht-Test" genannte Test ist die am häufigsten
durchgeführte und anspruchsvollste Testmethode in Deutschland, die
die Reaktion auf Feuer mißt, und ist die anspruchsvollste Entflammbarkeitsnorm
des Landes für Polsterstoffe.
Die Bezeichnung Brandschacht bezieht sich auf die Testvorrichtung, die
aus einem vertikalen Kamin mit quadratischem Querschnitt und einem Gasbrenner
besteht. Vier Stoffproben sind vertikal in einem Halterahmen angeordnet
und werden 10 Minuten lang den Flammen ausgesetzt. Gleichzeitig wird ein
konstanter, einheitlicher Luftstrom von unten in den Brandschacht geblasen.
Beim Auswerten des Tests werden die Rauchgastemperatur und
die mittlere Restlänge der Proben (der Teil, der nicht verbrannt
ist) berücksichtigt. Um nach B1 klassifiziert zu werden, muß
der getestete Stoff folgendes aufweisen:
1. Eine mittlere Restlänge von nicht weniger als 150 mm, wobei keine
Probe ganz verbrannt sein darf.
2. Eine mittlere Rauchgastemperatur von weniger als 200oC.
Frankreich
NFP
92 - 503 - Brûleur Électrique
Der französische Test mit der Bezeichnung "Brûleur
Électrique" (Elektrischer Brenner) ist die Haupttestmethode
nicht nur in Frankreich, sondern auch in Belgien, Spanien und Portugal.
Der Test führt zu einer Klassifikation zwischen M1 und M4, wobei
M1 die höchste Klasse darstellt.
Die Probe wird
an einer Testvorrichtung befestigt, im Winkel von 30o über einem
elektrischen Heizlüfter, aus dem Hitze strömt. Nach 20 Sekunden
des Tests wird eine kleine Butangas-Pilotflamme direkt an die Stoffoberfläche
gehalten, bleibt dort 5 Sekunden und wird wieder entfernt. Dies wiederholt
sich bei 45 Sekunden und danach alle 30 Sekunden, bis zum Testende nach
5 Minuten. Falls nach diesen 5 Minuten noch eine Flamme am Stoff sichtbar
ist, wird der Test fortgesetzt, bis die Probe vollständig erlischt.
Die folgenden Aspekte werden während dem Test festgehalten:
- Flammdauer
- Auftreten von tropfenden Flammrückständen
- Länge/Breite der beschädigten Probe
Die Anforderungen bezüglich der Klassifizierung sind die folgende:
|
Klassifizierung
|
|
M1
|
M2
|
M3
|
>M3
|
|
Dauer der Verbrennung
|
s
|
<=5
|
>5
|
>5
|
>5
|
|
Damaged
|
Länge
|
mm
|
-
|
<350
|
<600
|
600
|
|
keine
|
mm
|
-
|
-
|
<90
|
>90
|
|
Tropfen
|
|
keine
|
keine
|
keine
|
|
NFP
92-504 - Flammausbreitungstest
Dieser zum Elektrischen Brenner ergänzende Test bietet die Möglichkeit,
Proben mit unüblichem Verhalten beim ersten Test dennoch zu klassifizieren,
die z.B. schnell schmelzen oder wegschrumpfen, sodaß die Pilotflamme
nach 20 Sekunden nicht mehr in Kontakt mit der Probe kommen kann, oder
wenn Proben die M3 Bewertung nicht erreichen.
Bei Materialien, die schmelzen oder von der Hitzequelle
wegschrumpfen, werden das Nachbrennen, die Nichtausbreitung der Flamme
und brennende/nicht brennende Tropfen beobachtet. Die Flammausbreitung
wird auch gemessen, wenn das Material die M3 Bewertung nicht erreicht.
Der Nichtausbreitungstest besteht aus einer Flamme, die ans freie Ende
der horizontal angeordneten Probe gehalten wird, zehnmal fünf Sekunden
lang. Die Dauer des Nachbrennens wird gemessen. Im Flammausbreitungstest
wird die Zeit gemessen, die eine Flamme zur Ausbreitung zwischen zwei
Referenzmarken bei 50 mm und 300 mm benötigt. Das Entstehen brennender
Tropfen wird auch notiert. Die Kriterien für die Klassifizierung
sind die folgenden:
|
Klassifizierung
|
M1
|
M2
|
M3 a
|
M3 b
|
M4
|
|
Nachbrennen
|
none
|
<5s
|
<5s
|
>5s
|
>5s
|
|
Tropfen
|
kein oder
keine
brennenden
|
kein oder
kein
brennenden
|
brennenden
|
kein oder
kein
brennenden
|
brennenden
|
NFP
92-505 - Tropftest
Wiederum ergänzend zum Elektrischen Brenner dient der Tropftest
dazu, die mögliche Gefährdung durch brennende Tropfen, die im
ersten Test beobachtet wurden, weiter zu untersuchen.
Eine Probe wird auf ein Gitter gelegt, daß sich 30 mm unterhalb
eines Heizlüfters befindet, und eine Auffangschale mit Baumwolle
wird 300 mm unterhalb des Gitters angebracht. Der Heizlüfter heizt
die Probe 10 Minuten lang auf, und der Test wird viermal wiederholt. Falls
sich die Baumwolle entzündet, wird der Stoff in Klasse M4 eingestuft.
Falls sie sich nicht entzündet, selbst wenn brennende oder geschmolzene
Tropfen von der Probe heruntertropfen, wird die ursprüngliche Klassifizierung
aus dem Test mit dem Elektrischen Brenner beibehalten.
Großbritannien
BS 5852 : 1990
Definition einer Testmethode, bei der ein speziell konstruiertes Modell
einen Sessel simuliert, wie in EN 1021 beschrieben. Der benutzte Schaumstoff
ist nicht näher bezeichnet.
Von den acht Zündquellen werden am häufigsten
die Quelle 0 (Zigarette), Quelle 1 (Butanflamme / simuliertes Streichholz)
und Quelle 5 (Holzfeuer 5) benutzt. Die Hitzeintensität verdoppelt
sich etwa zur jeweiligen Zündquelle davor, wenn man die nächste
Zündquelle der Skala wählt.
Die Anforderungen für die Zigaretten- und Streichholztests sind
dieselben wie die in EN 1021 beschriebenen, obwohl die Zeit, in der das
Streichholz an die Probe gehalten wird, vor Einführung der Europäischen
Norm 20 Sekunden betrug.
Der Test mit Zündquelle 5 ist sehr hart, da die Intensität
der Hitze aufgrund der Krippenform des Holzstapels stark zunimmt. Das
Holz wird auf dem Testmodell plaziert und mit einer alkoholgetränkten
Lunte innerhalb von 2 Minuten entzündet. Für einen bestandenen
Testdurchgang sollten alle Flammen innerhalb von 10 Minuten erlöschen.
BS
7176 : 1995
BS 7176 ist eine Verhaltensnorm, die auf BS 5852 basiert, aber drei
zusätzliche Parameter besitzt:
(i) Das Tränken in Wasser
(ii) Berücksichtigung des schlimmstmöglichen Falles
(iii) Gefährdungskategorien
Tränken
Dieses Verfahren wird präzise in BS 5651: 1990, Absatz 3 definiert,
aber einfach ausgedrückt wird hier ein Stoff getestet, der in Wasser
eingetaucht und vor dem Testen getrocknet wird. Dies wird gemacht, weil
chemisch behandeltes Material nachteilig durch Wasseraufnahme beeinflußt
werden könnte und seine zusätzlichen flammverhindernden Eigenschaften
stark reduziert oder ganz eliminiert werden könnten.
Berücksichtigung des schlimmstmöglichen Falles (Worst Case)
Hier wird ein HR Schaumstoff mit 35 kg/mm (also kein CMHR Schaumstoff)
für das Testmodell verwendet. Dieser HR Schaumstoff hat gegenüber
CMHR Schaumstoff ein wesentlich schlechteres Verhalten im Brandfall, weshalb
der Großteil der Hersteller CMHR Schaumstoff verwendet.
Gefährdungskategorien
BS 7176 hilft, verschiedene Gefährdungskategorien festzustellen,
die mit den beim Test benutzten Zündquellen direkt zusammenhängen.
Es gibt vier Kategorien:
|
|
Geringe Gefährdung
|
Mittlere Gefährdung
|
Hohe Gefährdung
|
Sehr hohe Gefährdung
|
|
Typische Einsatz-bereiche
|
Büros, Bildungs-anstalten, Museen, Ausstellungen, Tagungszentren,
Schulen
|
Hotelzimmer Öffentliche Gebäude, Restaurants, Kantinen,
Öffentliche Veranstaltungen, Öffentliche Hallen, Gastwirtschaften
Casinos, Krankenhäuser, Herbergen
|
Schlafräume auf bestimmten Krankenhausstationen und in bestimmten
Herbergen, Einrichtungen auf Ölbohrplattformen
|
Gefängnis-zellen
|
|
1. Falls ein bestimmter Teil in einem Gebäude mit geringer
Gerährdungsstufe für Schlafzwecke benutzt wird, sollte
eine höhere Gefährdungsstufe gewählt werden.
2. Polstermöbel, die gewöhnlich in einer Wohnung privat
genutzt werden, unterliegen Gesetzen der Regierung.
|
Typische Beispiele von Einsatzbereichen zeigt BS 7176, sodaß
der Benutzer (und der Feuerwehrmann) weiß, welche Stoffspezifikation
wo verwendet werden soll. Die Klassifizierung beinhaltet geringe, mittlere,
hohe und sehr hohe Gefährdungskategorien mit Büros in der Kategorie
mit geringstem Risiko und öffentlichen Gebäuden, Hotels, Restaurants,
usw. mit mittlerer Gefährdung. Jedoch ist es wichtig zu erwähnen,
daß dies nur Richtlinien sind und Feuerwehrleute und Bausachverständige
höhere Standards fordern können. Dies trifft oft für Büroräume
zu, in denen Stoffe mit mittlerem Gefährdungspotential zunehmend
bevorzugt werden.
BS
476 - Teil 7: 1997
Nach dieser Norm läßt sich das Flammverhalten flacher Materialien,
Verbundwerkstoffe und Bauteile einschätzen, die als Verkleidung für
Wände und Decken dienen und im Brandfall den Flammen ausgesetzt sind.
Infolgedessen ist dies die Norm, die für Stoffe an vertikalen
Oberflächen oder Verkleidungen gilt. Die Ausbreitung einer Flamme
entlang der Oberfläche einer Probe, die vertikal gehalten wird, wird
bestimmt und ein nachfolgendes Klassifizierungssystem berücksichtigt
Tempo und Ausdehnung der Flammausbreitung.
Die Testvorrichtung
besteht aus einer vertikal montierten Strahlungsplatte, die von einem
Gas-Luft-Gemisch versorgt wird, einem Probenhalter und zugehöriger
Pilotflamme. Der Probenhalter ist drehbar aufgehängt und befindet
sich während des Tests in einem Winkel von 90o zur Oberfläche
der Strahlungsplatte.
Die Stoffprobe wird der Strahlungsplatte 10 Minuten lang ausgesetzt (oder
bis die Flamme eine Referenzlinie bei 825 mm erreicht hat - was von beidem
zuerst eintritt) und in der ersten Minute wird eine Pilotflamme an die
untere Kante der Probe gehalten. Während des Tests wird die Zeit
notiert, die die Flamme zum Erreichen verschiedener Referenzmarken benötigt,
sowie die Ausdehnung der Flamme nach 1,5 Minuten und am Ende des Tests.
Es werden mindestens sechs und höchstens neun Proben getestet und
nach den Ergebnissen in folgender Tabelle klassifiziert:
|
Klassifizierung der Flammausbreitung
|
|
Klassifikation
|
Flammausbreitung nach 1,5 Min.
|
Flammausbreitung am Ende des Tests
|
|
|
Grenze (mm)
|
Grenze für ein Probenstück (mm)
|
Grenze (mm)
|
Grenze für ein Probenstück (mm)
|
|
Class 1
|
165
|
165+25
|
165
|
165+25
|
|
Class 2
|
215
|
215+25
|
455
|
455+45
|
|
Class 3
|
265
|
265+25
|
710
|
710+75
|
|
Class 4
|
übersteigt die Grenzen von Klasse 3
|
Test
für vertikale Oberflächen
Der Test für vertikale Oberflächen wurde von Interface Fabrics
speziell entworfen, um die Schwerentflammbarkeit von Trennwandstoffen
unter typischen Installationsbedingungen einzuschätzen. Er wurde
durch nationale oder internationale Gesetzgebung nicht formell übernommen,
zeigt nach unserer Ansicht aber wesentlich besser die Reaktion einer Trennwandstruktur
bei Feuer.
Testmethode
Der Test benutzt das Standard-Testmodell und die Zündquellen aus
EN 1021, der Norm für Polstermöbel. Die "L"-förmige
Konstruktion simuliert dabei eine Verkleidung in direktem Kontakt mit
ihrer Basisfläche.
Für Testzwecke besteht eine typische Trennwandkonstruktion aus einem
Weichholzrahmen mit Sperrholzfront, umgeben von 2 mm HR Schaumstoff. Der
Trennwandstoff, der getestet werden soll, wird rundherum auf die Trennwand
geklammert. Die Basisfläche des Testmodells bildet eine laminierte
Spanplatte, die eine Schreibtischoberfläche darstellen soll. Der
Test für vertikale Oberflächen beinhaltet auch ein Tränken
des Stoffes.
Zündquellen
Die benutzten Zündquellen und die Zeitspannen, in denen sie eingesetzt
werden, sind identisch mit denen beim Test von Polstermöbeln, d.h.
Zündquelle 0 (Zigarette) und Zündquelle 1 (Streichholz). Die
anschließenden Kriterien sind auch die selben.
Italien
Zahlreiche Baugesetze und Verordnungen beziehen sich in Italien auf den
Brandschutz. "Circolare Nr.12" des Innenministeriums beinhaltet
Testverfahren zur Prüfung und Klassifizierung des Flammverhaltens
von Baumaterialien - einschließlich Stoffen. Um eine Gesamtklassifizierung
zu erreichen, muß der Zündtest mit kleinem Brenner (CSE RF
1/75 A oder CSE RF 2/75 A) mit dem Test zur Flammausbreitung an Oberflächen
(CSE RF 3/77) verbunden werden. Die Ergebnisse beider Test werden dann
benutzt, um eine Gesamtklassifizierung zu bestimmen, von Klasse 1 bis
Klasse 5 mit Klasse 1 als bester Klasse.
CSE
= Centro Studi ed Esperienze (Forschungszentrum des Innenministeriums)
RF = Reazione al fuoco (Reaktion bei Feuer)
CSE RF 1/75 A, CSE RF 2/75 A
Dieser Test mit kleinem Brenner entspricht in etwa dem deutschen Kleinbrenner-Test
(DIN 4102 Teil 1), bis auf die Probengröße und das Nichtvorhandensein
von Filterpapier zum Prüfen auf brennende Tropfen.
Bei CSE RF 1/75 A wirkt die Flamme 12 Sekunden lang auf die Kante der
Probe ein, während bei CSE RF 2/75 A die Flamme 30 Sekunden lang
mit der Oberfläche der Probe in Kontakt ist. Bei beiden Tests werden
die Nachbrennzeit, Nachglühzeit, das Ausmaß der Schäden
und die tropfenden Flammrückstände beobachtet und aufgezeichnet.
Diese Parameter werden dann in drei Grade eingeteilt, wie folgende Tabelle
zeigt:
|
Grad
|
Nachbrennzeit (s)
|
Nachglühzeit (s)
|
Ausmaß des Schadens (mm)
|
Zeit bis zum Verlöschen der Tropfen (s)
|
|
1
2
3
|
<5
>5 - <60
>60
|
<10
>10 - <60
>60
|
<150
>150 - <200
>200
|
nicht brennend
<3
>3
|
Die Grade der vier Parameter werden dann mit "Gewichtungsfaktoren"
multipliziert, um die Kategorie eines Produktes herausfinden zu können,
was dann Grundlage einer Klassifizierung des Produktes ist.
|
Parameter
|
Gewichtungsfaktor
|
|
Nachbrennzeit
Nachglühzeit
Ausmaß der Schäden
Tropfen
|
2
1
2
1
|
|
Kategorie
|
Gewichtete Summe der Grade (Grad x Gewichtung)
|
|
i
ii
iii
iv
|
6 - 8
9 - 12
13 - 15
16 - 18
|
CSE
RF 3/77
Im Flammausbreitungstest wird die Probe einer kleinen Pilotflamme und
einer strahlenden Platte ausgesetzt. Die Position der Probe wird variiert,
um Anwendungen in Fußböden,
|
Grad
|
Tempo der Flammausbreitung (mm/min)
|
Ausmaß des Schadens (maximale Länge) (mm)
|
Nachglühzeit (s)
|
Zeit bis zum Verlöschen der Tropfen (s)
|
|
1
2
3
|
nicht meßbar
=<30
>30
|
=<300
=>300 - =<600
>600
|
=<180
=>180 - =<360
>360
|
nicht brennend
=<3
>3
|
Wänden und Decken zu simulieren.
Gemessene Parameter sind das Tempo der Flammausbreitung, das Ausmaß
des Schadens, Nachglühen und tropfende Flammrückstände,
die wiederum in drei Grade eingeteilt werden. Die Kategorie, auf der die
Klassifizierung basiert, erhält man durch Multiplikation der verschiedenen
Grade mit einer Reihe von Gewichtungsfaktoren, bei denen für tropfende
Flammrückstände zwischen Anwendungen am Fußboden, der
Wand und der Decke unterschieden wird.
|
Parameter
|
Gewichtungsfaktor
|
|
Tempo der Flammausbreitung
|
2
|
|
Ausmaß des Schadens
|
2
|
|
Nachüngen
|
1
|
|
Tropfen
|
Fußboden
|
0
|
|
Wand
|
1
|
|
Decke
|
2
|
|
Kategorie
|
Gewichtete Summe der Grade (Grad x Gewichtung)
|
|
Fußboden
|
Wand
|
Decke
|
|
i
|
5 - 7
|
6 - 8
|
7 - 9
|
|
ii
|
8 - 10
|
9 - 12
|
10 - 13
|
|
iii
|
11 - 13
|
13 - 15
|
14 - 17
|
|
iv
|
14 - 15
|
16 - 18
|
18 - 21
|
Für die Klassifizierung in die Klassen 2, 3 und 4 werden
entsprechend zwei, fünf und sieben Kombinationen erreichter Kategorien
angeboten.
|
Testmethode
|
Bedingungen
|
Klasse
|
|
Methode CSE RF
|
Übereinstimmung mit frei wählbaren Kategorien
|
|
|
1/75/A or 2/75/A
3/77
|
i
i
|
|
|
|
|
|
|
1
|
|
1/75/A or 2/75/A
3/77
|
ii
i
|
i
ii
|
|
|
|
|
|
2
|
|
1/75/A or 2/75/A
3/77
|
iii
ii
|
ii
iii
|
i
iii
|
iii
i
|
ii
ii
|
|
|
3
|
|
1/75/A or 2/75/A
3/77
|
iv
iii
|
iii
iv
|
iii
iii
|
iv
ii
|
ii
iv
|
iv
i
|
i
iv
|
4
|
|
1/75/A or 2/75/A
3/77
|
iv
iv
|
|
|
|
|
|
|
5
|
USA
Es gibt zur Zeit keine nationalen Bestimmungen, die die Anforderungen
an Bezugsstoffe oder die Möbel, die sie bedecken, festlegen. Die
Überwachung der Vorschriften bleibt örtlichen Feuerwehrleuten
oder Bauverwaltungsbeamten vorbehalten, die sich meist an eines einer
Vielzahl von Modellen halten.
California
Technical Bulletins (TB)
Der Bundesstaat Kalifornien ist einer der wenigen Staaten, die Sitzmöbelprodukte
durch Anforderungen regeln, die sowohl verbindlich als auch freiwillig
sind.
TB 117 Abschnitt E
TB 117 ist eine verbindliche Anforderung an Komponenten für Polstermöbel
und Abschnitt E befaßt sich mit der Beständigkeit eines Stoffes
gegenüber einer kleinen Flamme.
Der im Winkel von 45o montierte Stoff wird einer 5/8" (1,6 cm) großen
Butanflamme für 1 Sekunde ausgesetzt. Der Test ist bestanden, wenn
sich der Stoff nicht entzündet oder wenn die Flammausbreitung bei
5" (13 cm) Länge im Durchschnitt 3,5 Sekunden oder länger
dauert. Praktisch alle Polsterstoffe bestehen diesen Test.
TB
116
Dies ist ein freiwilliger Zigaretten-Zündtest für komplette
Möbelstücke (oder Modelle, die ein gegebenes Möbeldesign
simulieren), weniger für individuelle Stoffe. Er verlangt, daß
brennende Zigaretten auf allen horizontalen Oberflächen plaziert
werden, auf denen möglicherweise eine verlorene Zigarette liegen
könnte - auf Kissen, Armlehnen, Sitz- oder Stellflächen, usw..
Drei Zigaretten werden in jedem Bereich plaziert, nicht enger als 6"
(15 cm) voneinander entfernt, und ein 6" x 6" (15 x 15 cm) großes
Stoffstück aus Baumwolle oder Baumwolle und Polyester bedeckt jede
Zigarette.
Der Test ist nicht bestanden, wenn sichtbar Flammen auftreten oder außerhalb
eines Umkreises von 2" (5 cm) von der Zigarette eine Verkohlung auftritt.
TB
133
Dies ist ein weiterer Test für komplette Möbelstücke, die
in Gebäuden mit "hohem Risiko" benutzt werden sollen -
in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Gefängnissen, öffentlichen
Bereichen von Hotels, usw.. In Kalifornien ist dies eine verbindliche
Norm in dieser Art von Gebäuden, obwohl die Anforderungen für
Bereiche mit Sprinkleranlagen heruntergeschraubt werden. Die Stadt Boston
hat TB 133 auch Übernommen, aber dort gilt sie für alle nicht
privaten Grundstücke, und einen Bonus für Sprinkleranlagen gibt
es nicht.

Der Test ist sehr streng mit harten Kriterien, die über
Bestehen oder Nichtbestehen entscheiden. Er besteht darin, ein Stück
eines gepolsterten Möbels in einem standardisierten Raum einer offenen
Flamme auszusetzen.
Die Zündquelle ist ein rechteckiger Gasbrenner auf dem Sessel, 2"
(5 cm) von der Rückseite entfernt und 1" (2,5 cm) oberhalb der
Sitzfläche. Die Flammdauer beträgt 80 Sekunden.
Die Kriterien, die über Bestehen oder Nichtbestehen entscheiden,
stehen unten. Die "A Kriterien" sind die Original-Parameter
und noch akzeptabel, aber die "B Kriterien" werden derzeit bevorzugt.
A Kriterien - Ein Versagen wird registriert, falls einer der folgenden
Punkte eintritt:
(i) Die am Thermoelement unter der Decke gemessene
Temperatur steigt um 200oF (93 K bzw. 93oC) oder mehr über die Umgebungstemperatur.
(ii) Die am Thermoelement, das 122 cm unterhalb der Decke angebracht ist,
gemessene Temperatur steigt um 50oF (10 K bzw. 10oC) oder mehr.
(iii) Mehr als 75% Opazität (Rauchdichte) an der Meßstelle
122 cm oberhalb des Fußbodens.
(iv) CO-Konzentration von 1000 ppm oder mehr für 5 Minuten.
(v) Gewichtsverlust des Sessels von 3 lbs (1,36 kg) oder mehr während
den ersten 5 Minuten.
B Kriterien
(i) Maximale Hitzeentwicklung von 80 kW oder mehr.
(ii) Gesamte Hitzeentwicklung von 25 MJ oder mehr in den ersten 10 Minuten.
(iii) Mehr als 75% Opazität (Rauchdichte).
(iv) CO-Konzentration von 1000 ppm oder mehr.
Feuerwehr
Boston
Boston übernahm 1995 den Test TB 133 von Kalifornien, der praktisch
den vorherigen "Boston Fire Test" ersetzte.
Das alte Feuergesetz von Boston regelte die Entflammbarkeit des Sessels
(hierzu benutzte man einen Original-Sessel mit einer mit Zeitungen gefüllten
Papiertüte als Zündquelle) und von Komponentenmaterialien, einschließlich
Polsterstoffe. Der Stofftest (BFD 1X-1) war ein Test mit vertikaler offener
Flamme aus einem
Propangasbrenner, der die Probe für 10 Sekunden ausgesetzt wurde.
Nachbrennen, Nachglühen und die verkohlte Länge wurden gemessen.
Test der Hafenbehörde von New York / New Jersey
Auch hier gilt der kalifornische Test TB 133 für alle Sessel, die
in Gebäude gelangen, aber es gibt auch eine Anforderung an Polsterstoffe
aus einem Test mit vertikaler offener Flamme.
Die Stoffprobe ist vertikal aufgehängt und wird 12
Sekunden lang mit einer 1,5" (4 cm) hohen Methangasflamme in Kontakt
gebracht. Nachbrennen, brennende Tropfen und verkohlte Länge werden
beobachtet.
Nachbrennen: maximal durchschnittlich 15 Sekunden
Brennen der Tropfen: maximal durchschnittlich 8 Sekunden
Verkohlte Länge: maximal durchschnittlich 8" (20 cm)
"Steiner"
Tunnel Test - ASTM E-84
Dieser Test ist am geeignetsten, das Entflammbarkeitsverhalten von Verbundstoffen
(z.B. gepolsterten Verkleidungen) einzuschätzen, auch wenn Verkleidungsstoffe
öfters für sich alleine getestet werden. Es ist eine Deckenfeuersimulation
in einem 25 ft (7,62 m) langen und 2 ft (0,61 m) schmalen Raum - dem "Tunnel".
Testmaterialien werden an der Tunneldecke befestigt und einer 4,5 ft (1,37
m) langen Flamme 10 Minuten lang ausgesetzt. Das Tempo, mit der sich die
Flamme ausbreitet, wird gemessen und dazu benutzt, einen Wert zu berechnen,
der unter der Bezeichnung "Flammausbreitungsindex" bekannt ist.
Zur selben Zeit wird die Opazität des die Kammer füllenden Rauches
überwacht, um den "Rauchentwicklungsindex" zu berechnen.
Diese zwei Indizes werden dann von Bauverwaltungsbeamten dazu benutzt,
um Materialien in Anwendungskategorien zu klassifizieren.
Anmerkung: Das Testverfahren selbst beschreibt weder ein Klassifizierungssystem
noch ok/ko-Kriterien.
Die allgemeinsten Klassifizierungskategorien beinhaltet der 101 Life
Safety Code (Sicherheitscode) der National Fire Protection Association
(NFPA). Es gibt verschiedene Anforderungen für Trennwände bei
zertifizierten Labors und noch weitere Unterschiede für Trennwände,
die an die US-Regierung verkauft werden (GSA - General Services Administration).
|
|
Life Safety Code
|
U.L.
|
GSA
|
|
|
Klasse A
|
Klasse B
|
Klasse C
|
|
|
|
Flammausbreitung
|
25 max
|
75 max
|
200 max
|
200 max
|
25 max
|
|
Rauchentwicklung
|
450 max
|
200 max
|
450 max
|
Allgemein gilt, daß Verkleidungsprodukte Klasse A
erreichen sollten, auch wenn einige Anwender geringere Anforderungen haben.
|