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Textilgeschichte
Die Textilindustrie mit ihrer sehr langen und bewegten Geschichte
hat die Weltwirtschaft und die tatsächliche Entwicklung der modernen
Gesellschaft stark beeinflußt. Das Weben ist wahrscheinlich eines
der ältesten Handwerke, die heute noch existieren. Die Ursprünge
reichen etwa 12.000 Jahre ins neolithische Zeitalter, die Jungsteinzeit
zurück. Doch schon vor dieser Zeit wurde das Prinzip des Webens nämlich,
Äste und Zweige miteinander zu schützenden Zäunen, Unterständen
und Körben zu verflechten, verwendet. Als die Nützlichkeit des
flechtens dieser Materialien bekannt war, führte wahrscheinlich das
Experimentieren mit weiteren Naturmaterialien zu den ersten einfachen
Stoffen und Geweben.
Die Anfänge der Spinnerei
Es gibt kaum Zweifel daran, daß eine der ersten verfügbaren
Spinnfasern die Schafswolle war, die zu Garn gesponnen und dann zu Stoffen
gewoben wurde. Der zweistufige Spinnprozeß erfordert es, daß
das Vlies aufgerissen (aufgelockert) wird und man daraus ein Spinnband
herstellt, welches dann zu einem immer feineren Fäden verstreckt
wird, der dann zu Garn gesponnen wird. Unsere frühen Vorfahren versponnen
wohl einige wenige Fasern aus einem Wollbüschel zu immer längeren
Fäden, die zu einem Knäuel aufgewickelt wurden. Später
wurde das Garn auf einen Stab aufgewickelt, der mit einem einfachen Schwungrad
am unteren Ende versehen zur Spindel wurde. Daraus entwickelte sich das
Spinnrad, das in Indien erfunden wurde und irgendwann Ende des 14. Jahrhunderts
nach Europa kam.
Der erste Webstuhl
Der erste "Webstuhl" muß so etwas wie ein gerader Ast
eines Baumes gewesen sein, der ziemlich parallel zum Erdboden verlief.
Die Kettfäden in Längsrichtung ließ man von ihm herabhängen,
die, am unteren Ende beschwert, mit den Schußfäden verflochten
ein ziemlich grobes Gewebe ergaben. Später ersetzte eine Rahmenkonstruktion
den Ast des Baumes und bildete den vertikalen Webstuhl, wie er von den
alten Griechen benutzt wurde, der dann in eine horizontale Ausrichtung
umgebaut wurde. Die alten Ägypter sollen angeblich den Schützen
erfunden haben, der den Schußfaden enthält, und sie sollen
die Kettfäden an zwei Stäben befestigt haben, um die Kettfäden
so zu teilen, daß der Schütze mit dem Schußfaden ungehindert
eingetragen werden konnte.
Mechanisierung
Jahrhundertelang wurden die Spinn- und Webprozesse traditionell von Hand
und in Heimarbeit durchgeführt - die Männer webten, und die
Frauen spannen (daher kommt der Begriff "spinster" im Englischen,
was soviel wie alte Jungfer" bedeutet). Der Anstoß für
eine größere Neuorganisation der textilen Produktion kam im
18. Jahrhundert, als preiswerte Textilien guter Qualität aus Indien
und dem Fernen Osten langsam begannen, europäische Güter auf
internationalen Märkten zu verdrängen. Es war erforderlich,
die eigene Produktion zu erhöhen und die Kosten zu senken, was man
durch Ersetzen der mühsamen Handarbeit durch effizientere maschinelle
Arbeitsweisen erreichen konnte. In diesem Zeitraum gab es viele wichtige
Erfindungen, die oftmals wesentliche Auswirkungen auf andere Bereiche
der gesamten industriellen Produktion hatten.
1733 führte John Kay aus Bury in England seinen "Fliegenden
Schützen" vor, der den Webprozeß so sehr beschleunigte,
daß oftmals die Produktion verdoppelt wurde. Das Problem war, daß
die Zulieferung von Garn aus den Spinnereien mit dem raschen Anstieg der
Produktion nicht mithalten konnte. Die erste Verbesserung der frühen
Spinnmaschinen erfolgte 1737 durch Lewis Paul und John Wyatt, die die
Walzenspinnmethode erfanden, bei der das Garn nicht mehr von Hand gesponnen
werden mußte.
1764 erfand James Hargreaves, ein Weber und Tischler aus Blackburn, die
berühmte "Spinning Jenny", die bis zum Jahr 1766 so verbessert
wurde daß sie bis zu 100 Spindeln aufnahm, was den Vorgang des Spinnens
gewaltig beschleunigte. Darauf folgte Sir Richard Arkwrights "Spinning
Frame", der von Wasser angetrieben wurde und daher auch als "Water
Frame" bekannt wurde. Wenig später, 1779, erfand der Spinner
Samuel Crompton aus Bolton die "Spinning Mule" (Wagenspinnmaschine),
die die Vorzüge der "Spinning Jenny" und des "Water
Frame" vereinte. Die Fortschritte in der Spinnereitechnologie führten
nun zu einem Engpaß beim Weben, da das Garn jetzt sehr viel schneller
hergestellt als verarbeitet werden konnte. Die Lösung war, Dampfkraft
zum Antrieb der Webstühle nutzbar zu machen, und es war Edward Cartwright,
ein anglikanischer Geistlicher, der herausfand, wie dies geht. Mitte der
80er Jahre des 18. Jahrhunderts produzierte er den ersten dampfgetriebenen
Webstuhl.
Industrielle Revolution
Die Mechanisierung des Spinnens und Webens führte zu radikalen Strukturveränderungen
in der Textilindustrie. Viele der neuen Maschinen waren zu groß
und zu teuer, um in der angestammten Umgebung betrieben zu werden, und
die Einführung der Dampfkraft bedeutete, daß Textilfabriken
in der Nähe der Kohlelagerstätten in den Grafschaften Yorkshire
und Lancashire im Norden Englands aus der Erde gestampft wurden - ein
Zeitabschnitt, der das Ende der Heimarbeit und den Beginn der Industriellen
Revolution markierte.
Die Industrielle Revolution führte zu massiven sozialen und wirtschaftlichen
Veränderungen im Leben der Menschen und wurde von den traditionellen
Handarbeitern als eine Bedrohung ihres Lebensunterhaltes betrachtet. Sie
waren zornig und wütend über die Arbeitslosigkeit, die sie fürchten
mußten - Gefühle, die durch die schwere Rezession nach den
Napoleonischen Kriegen noch verschärft wurden. Das Potential an Gewalt
schlug zwischen 1811 und 1813 in physische Attacken auf die Textilfabriken
um, als die als Ludditen bekannten Arbeiter begannen, die Maschinen zu
stürmen, die sie für ihre Schwierigkeiten verantwortlich machten.
Der Prozeß der Industrialisierung ließ sich jedoch nicht aufhalten.
Es gab weitere Entwicklungen in der Textilindustrie, wie die Einführung
des Webstuhles von Jacquard, mit dem komplizierte Muster gewoben werden
konnten, und erste Experimente mit synthetischen Farbstoffen. Mitte des
19. Jahrhunderts war Britannien das Land mit der größten Textilproduktion
weltweit.
Hopton Mills
Der Standort der Fertigungsanlagen von Interface Fabrics in einem malerischen
Tal nahe Mirfield verkörpert ein Stück Textilgeschichte. Im
frühen 16. Jahrhundert kam die Familie Wheatley ins Tal und stieg
in das Tuchgewerbe ein. 1812 wurde der älteste Teil der heutigen
Anlagen errichtet, in dem Spinn- und Webmaschinen standen. 1790 gründete
der junge Henry Wheatley das Unternehmen Henry Wheatley and Sons und war
Wegbereiter für die Fertigung einer sagenhaften Auswahl von Damenbekleidungsstoffen
aus Kaschmir und anderen kostbaren Fasern. Das Geschäft entwickelte
sich mit den Zyklen der Textilindustrie während der Industriellen
Revolution, bis die Familie 1964 die Firma verkaufte. John Wheatley Bell
und sein Sohn David Wheatley Bell sind die sechste und siebte Generation
im Familienunternehmen. Sie sind auch heute noch Grundbesitzer im Tal
und halten Anteile am Hopton Landgut.
Interface Fabrics - oder genauer Camborne Fabrics, wie das Unternehmen
zuvor hieß - kam erstmals 1980 mit Hopton Mills in Verbindung. Um
die Produktivität der Textilfabrik zu sichern, verkaufte David Wheatley
Bell damals seine Webmaschinen an Hopton Weavers Ltd., die dann auf das
Gelände von Hopton Mills umzogen und Pächter von Henry Wheatley
& Sons wurden. Hopton Weavers arbeitete als Komisionsweber und übernahmen
auch einen Teil der Camborne- Stoffe mitsamt eines Teils der Veredelung,
die von der nicht ausgelasteten Veredelungsabteilung von Henry Wheatley
ausgeführt wurde. Diese Beziehung setzte sich bis August 1984 fort,
als das Mutterunternehmen Allied Textiles entschied, daß die Textilfabrik
nicht länger ins Unternehmenskonzept paßte und Camborne die
Grundflächen und Gebäude erwerben konnte. Durch die Übernahme
von Hopton Mills machte Camborne erste Erfahrungen mit der Weberei und
der Veredelung.
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