Testverfahren
In der Textilindustrie wird eine breite Palette von Prüfungen zur Messung des Verhaltens und der Eigenschaften von Rohmaterialien und fertigen Produkten durchgeführt.

Dieser Abschnitt befaßt sich mit einigen der wichtigsten Prüfungen für Fertigware, die zeigen, wie sich der Stoff in verschiedenen Einsatzbereichen verhält. Die Britische Norm 2543 wurde im Jahr 1995 als umfassende Norm für die "Spezifikation gewobener und gestrickter Stoffe für Polstermöbel" definiert, die Grenzwerte für Abrieb, Farbbeständigkeit und Materialstärke (Reiß- und Zugfestigkeit) festlegt. Dieser und einige der anderen wichtigen Prüfungen für Stoffe werden im folgenden beschrieben. Bitte beachten Sie, daß Prüfungen für Entflammbarkeit einen eigenen Abschnitt bilden.

Scheuerfestigkeit nach Martindale (BS 5690: 1991 (1997))
Bei diesem Test auf einer Martindale-Prüfmaschine wird der Stoff gegen einen Kammgarnstoff gerieben, um Verschleiß zu simulieren.

Der Apparat erfaßt die Zahl der Reibzyklen (oder Scheuerhübe), denen der Stoff ausgesetzt war, bis ein physikalisch eindeutig bestimmbarer Endpunkt erreicht wird. Dieser Endpunkt ist erreicht, wenn drei Fäden des Stoffes so durchgescheuert sind, daß sie brechen, und die Scheuerzahl ist dann die Anzahl der Zyklen zum Zeitpunkt des Bruches. Die Prüfung erfolgt bei einem Druck von 800 g (12 kPa), das reibende Standardgewebe wird alle 50.000 Zyklen gewechselt.

Innerhalb von BS 2543 werden fünf Klassifikationen und die zugehörigen verschiedene Einsatzbereiche spezifiziert.

Widerstand gegen Pilling
Dieser Test zeigt die Tendenz des Stoffes, auf der Martindale-Prüfmaschine Pills (kleine Faserknötchen) zu bilden. Zwei Proben des Stoffes werden für diese Prüfung getestet, eine wird nach 2000 Zyklen und die andere nach 6000 Zyklen aus der Maschine genommen. Beide Proben werden dann auf einer Skala von 1-5 bewertet wobei "1" für starke Veränderungen steht und "5" für keine Veränderungen. Die schlechteste Bewertung beider Proben wird als das Ergebnis genommen. (BS 5811: 1986).

Farbbeständigkeit
Farbbeständigkeit ist ein Maß, wie dauerhaft die Färbung eines Stoffes ist. Die Farbe kann von einer Vielzahl von Faktoren nachteilig beeinflußt werden, beispielsweise durch Licht, Wasser und durch normalen Verschleiß. Verschiedene Prüfverfahren stellen fest, wie die Farbe von diesen Parametern beeinflu€t wird. Ein numerischer Wert gibt dann den Grad der Farbänderung an.

Lichtechtheit (BS 1006: 1990)
Bei diesem Test wird ein präpariertes Stück Stoff halb abgedeckt und dann zusammen mit lichtempfindlichen, blau gefärbten Wollsträngen, die nach bekannten Zeitabschnitten verblassen, künstlichem UV-Licht ausgesetzt. Nur der nicht abgedeckte Teil der Probe wird verblassen. Eine typische Bestrahlungszeit sind 100 Stunden, was ungefähr vier Jahren Tageslicht entspricht.

Die Lichtbeständigkeit wird auf einer Skala von 1-8 im Vergleich mit den blau gefärbten Wollsträngen bestimmt, wobei "1" sehr geringe Lichtbeständigkeit (maximale Farbänderung) und "8" sehr hohe Lichtbeständigkeit (minimale Farbänderung) bedeutet. Entsprechend BS 2543 sollten Polsterstoffe einen minimalen Wert von "5" haben, gleichgültig, für welchen Einsatzbereich sie bestimmt sind.

Reibechtheit (BS 1006: 1990)
Diese Prüfung wird auf einem Crockmeter (Reibechtheitsmeßgerät) durchgeführt, wobei die Stoffprobe mit einem ungefärbten Standard-Baumwollstoff gerieben wird, den man dann auf Farbübergänge untersucht.

Es werden zwei Tests durchgeführt, einer mit einem trockenem und einer mit einem feuchtem Baumwolltuch. Das Baumwolltuch wird auf dem Finger des Crockmeters befestigt und zehnmal mit konstanter Geschwindigkeit auf der Stoffprobe vor- und zurückbewegt. Das Baumwolltuch wird dann nach den Standard-Grauskalen auf Flecken untersucht, wobei "1" einen maximalen Farbübergang und "5" keinen Farbübergang bedeutet. Entsprechend BS 2543 müssen Stoffe für alle Einsatzbereiche mindestens einen Wert von "3-4" für trockenes und "3" für nasses Reiben aufweisen.

Farbechtheit gegen Wasser
Dieser Test wird mit einem Perspirometer durchgeführt und untersucht, ob beim Kontakt von nassen Stoffen Farbübergänge stattfinden.

Die Stoffprobe wird vollständig in ent-ionisiertes Wasser getaucht, zusammen mit einem Gewebestreifen, der verschiedene Materialien enthält.

Jedes Teil kommt dann in das Perspirometer und wird in einem auf 37oC vorgeheizten Ofen vier Stunden lang erwärmt. Der Streifen wird dann auf Farbübergänge nach den Standard-Grauskalen untersucht.

Zugfestigkeit (BS 2576: 1986)
Stoffproben werden in die Klemmen einer Zugfestigkeitsprüfmaschine geklemmt und bis zum Bruch gedehnt. Drei Proben werden in Kettrichtung und drei Proben in Schußrichtung getestet und die durchschnittliche Bruchfestigkeit in Newton ermittelt. Nach BS 2543 sollte die Zugfestigkeit je nach Einsatzbereich [s. S. 4-2] wie folgt sein:

OD = 300N
LD/GD = 350N
SD/SC = 400N

Reißfestigkeit (BS 4303: 1968)
Dieser Test mißt die Kraft, die notwendig ist, einen schon im Stoff vorhandenen Ri€ zu vergrößern. Eine rechteckige Probe wird eingeschnitten, sodaß zwei "Zungen" entstehen, und eine Referenzlinie wird eingezeichnet, bis zu der der Riß fortgesetzt werden soll. Eine Zunge spannt man dann in die obere Klemme einer Zugfestigkeitsprüfmaschine ein, die andere in die untere, und die Probe wird auseinandergezogen, bis der Riß die Referenzlinie erreicht. Die durchschnittliche Reißfestigkeit wird dann berechnet.

BS 2543 spezifiziert die minimale Reißfestigkeit für verschiedene Einsatzbereiche:

OD/LD = 15N
GD/SD = 20N
SC = 2 5N

 

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